Samstag, 28. März 2009
Donnerstag, 26. März 2009
Rundbrief 5
„Wie feiert man Silvester in Ecuador?“, „Was habt ihr gemacht?“, „Was für Traditionen gibt es dort?“ solche und ähnliche Fragen wurden uns Anfang Januar gestellt.
Unser Silvester verbrachten wir mit allen 5 Schwestern in Santo Domingo. Schon nachmittags als wir durch die Straßen fuhren, liefen die Verkäufe der Silvesterartikel an den unzähligen Straßenständen auf Hochtouren. Vor den Ständen und Häusern saßen überall Lumpenpuppen mit Pappmachégesichtern, die berühmten Menschen, wie z.B. dem Präsidenten, Politikern, Schauspielern, usw ähnelten. Man konnte auch Homer Simpson, Spiderman und Batman finden. In Ecuador ist es üblich das alte Jahr in Form von Puppen zu verbrennen. Manchmal müssen auch Abbilder von Familienmitgliedern herhalten, die sogar deren Klamotten tragen. Alles Schlechte vom alten Jahr wird verbrannt, damit man im neuen Jahr ein neues unbeschriebenes Blatt beginnen kann. Natürlich wird im Laufe der Feier am Abend die Puppe ein letztes Mal beim Tanzen ins Familienleben miteinbezogen, bevor sie dann um 0.00 Uhr angezündet wird. Was wir uns natürlich von Nahem anschauen wollten. Allerdings wussten wir nicht, dass die mit Spiritus übergossenen „Años Viejos“ mit Böllern gefüllt waren und logischerweise in Sekundenschnelle mit entsprechendem Lärmpegel in alle Richtungen zerfetzt wurden. Mit ausreichendem Sicherheitsabstand zum Geschehen feuerten auch wir unsere Böller ab und stießen anschließend auf das neue Jahr an. Es gab zwar für jede 12 Trauben, aber es wurde nicht pro Glockenschlag eine gegessen, wie es in Spanien üblich ist. (Leider musste dieses Jahr „Dinner for one“ ausfallen L)
Am 1.1.09 gings erstmal in die Kirche, wie es die Schwestern an jedem Neujahrstag machen. Der Gottesdienst war in einer schönen großen Kirche und eine Jugendgruppe ergänzte mit einer tollen musikalischen Gestaltung die insgesamt gelungene Einstimmung auf das neue Jahr. Zur Feier des Tages wurde heute (im Shopping, einem großen Einkaufzentrum) auswärts gegessen und anschließend zum ersten Mal in ein ecuadorianisches Kino gegangen, nachdem wir ein knappes halbes Jahr auf Kino verzichten mussten. Danach fuhren wir zu einer Kapelle auf den Bombolí, ein Berg, von dem man auf die Industrie- und Handelsstadt Santo Domingo schauen kann. Dort sahen wir auch ein besonders prächtiges Exemplar einer Figur der “Virgen del Cisne“, die man an ihren meterlangen, schwarzgelockten Haaren erkennt. In Ecuador hat die Jungfrau Maria nämlich viele verschiedene Erscheinungen und jede hat ihren Charakter und Eigenschaften.
Am Tag der Heiligen Drei Könige begaben auch wir uns auf den Weg – zu unserem Zwischenseminar in Baños. Mit dem Bus fuhren wir von Santo Domingo ca. 6 Stunden zu der schönen und ziemlich touristisch ausgelegten Stadt an dem aktiven Vulkan Tungurahua, der jedoch während den fünf Tagen, die wir dort waren, nur Rauchsäulen von sich gab. In dem Seminarhaus, das von einer deutschen Schwester geleitet wird, genossen wir den Luxus eines Einzelzimmers, einer warmen Dusche und teilweise deutschem Essen (Kartoffelsalat!). Insgesamt nahmen 12 deutsche Freiwillige teil, davon zwei aus Peru, zwei aus Bolivien (Steffi, Gabriel, Antonia und Julia, die wir schon aus den Vorbereitungsseminaren kannten) und der Rest mit Ausnahme von uns aus Quito. Angeleitet von Angie und Veronika, die in Ecuador arbeiten und leben hatten wir in dem Seminar die Gelegenheit unsere Erfahrungen als Freiwillige zu reflektieren und auszutauschen. Doch hatten wir auch etwas Freiraum, die Umgebung von Baños mit seinen Thermalquellen, Wasserfällen, Schluchten und unbeleuchteten Tunnels mit dem ausgeliehenen Mountainbike (ohne Licht und mangelhaften Bremsen) zu erkunden. Noch mehr Nervenkitzel verschaffte uns der angeseilte Sprung von einer Brücke geschätzte 35 m über einem Fluss. Das Seminar hat sich in jeder Hinsicht gelohnt, vor allem, weil wir nun Kontakt zu anderen Freiwilligen in Ecuador aufbauen konnten.
So konnten wir auf dem Rückweg den sowieso notwendigen Zwischenstopp in Quito bei Lisa und Veronika einlegen. Wir verbrachten einen schönen Abend, an dem es leggeres selbstgekochtes Essen gab und an dem wir auch von den aus Deutschland (von Mama) importierten kulinarischen Schätzen etwas abbekamen. Zusätzlich konnten wir am nächsten Morgen ihre Arbeitsstelle kennenlernen.
Als wir zurückkamen stand in Santa María, die Prüfungszeit bevor, was für uns hieß, die Internatskinder für die Examen fit zu machen. Unsere Englisch-Schüler konnten sich während unserer Abwesenheit mit von uns erstellten Arbeitsblättern selbstständig vorbereiten. In der Woche vor den Prüfungen standen Mathematik-, Sprach-, Sport-, und Zeichenwettbewerbe auf dem Programm. Den Zeichenwettbewerb durften wir beaufsichtigen und anschließend die besten Werke pro Klassenstufe auswählen.
Unser Plan für das darauffolgende Wochenende war eigentlich am Freitag nach Quito zu fahren um die noch in Ecuador weilenden Freiwilligen vor ihrer Abreise in ihre Einsatzstelle zu sehen. Aber inzwischen haben wir gelernt, dass hier grundsätzlich alle Pläne durch unvorhergesehene Ereignisse durchkreuzt werden. Dieses Mal kamen wieder viele Faktoren zusammen: Der ausfallende Strom und das fehlende Wasser sowie die bis dahin unbekannte Tatsache, dass man Santa Maria mit den Öffentlichen nur bis dreizehn Uhr verlassen kann und sich trotz der üblichen Hilfsbereitschaft der Ecuadorianer kein Motochauffeur finden ließ, machte uns einen Strich durch die Rechnung. So konnten wir wenigsten den Schwestern mehr bei den Vorbereitungen der Firmungen und dem Kommen des Bischofs (der kurzfristig doch nicht erschien und einen Gesandten schickte) helfen, was für den Samstag anstand. Zum Glück trafen Gabriel und Steffi, trotz Behinderung der Straßen gegen Abend in Santa Maria ein. In der Hochzeitsmesse von zwei, die am selben Tag gefirmt wurden, bekamen sie gleich einen Eindruck, wie hier der Gottesdienst gehalten wird und dass man die heiligen Sakramente nur mit einem Grundwissen über Gebote und Gebete empfangen kann. Anschließend wurde der Anlass gebührend gefeiert. Nachdem wir ihnen am nächsten Tag die Schule, das Internat und einen Teil des Dorfes gezeigt hatten, erklärte sich Don Auxilio sich bereit, uns vier und Angel, ein Junge aus dem Internat, zur „Puente Colgante“ in Richtung Monte Nuevo zu fahren, damit die zwei auch ein bisschen von der Umgebung von Santa Maria sehen konnten.
Am Montag nahmen wir zum ersten Mal die Englisch-Prüfungen ab. Da am Sonntag Padre Max in Puerto Cayo positioniert wurde, beauftragte man uns kurzerhand, am Dienstagmorgen zu ihm zu fahren um ihm beim Umzug und der Einrichtung des neuen Pfarrhauses zu helfen. Das hieß für uns nicht nur eine kurzfristige Abreise, sondern auch die restlichen Examen vorzubereiten und die Lehrer zu instruieren, dass die Prüfungen auch ohne uns geschrieben werden konnten.
Wegen eines Streiks zu dem neuen Minen-Arbeiter-Gesetz fuhren keine Rancheras nach Santo Domingo. Glücklicherweise lud uns dieses Mal der frischgebackene Schwiegervater ein, auf der Ladefläche seines Geländewagens über eine neue Route nach Santo Domingo zu fahren. Mit Madrecita Maria Magdalena gings dann mit dem Bus nach San Clemente. Am Tag drauf wurden Padre Max sieben Sachen (haha) mit einer Camionetta nach Puerto Cayo gefahren, dort ausgeladen und in den nächsten Tagen eingeräumt. Er wohnt nun in dem großen, hellen Pfarrhaus keine 100m vom Pazifik entfernt und konnte zu Anfang kaum glauben, dass nun sein Traum wahr geworden ist.
Zurück in Santa María erwartete uns eine Überraschung in Form von vier niedlichen Kätzchen, was uns sehr freute, weil das schwarze der letzten zwei verschenkt worden war. Eine andere Änderung muss an dieser Stelle auch erwähnt werden. Zwei Schwestern (Madre Marina und Sor Lucia) haben ein neues Haus in San Vicente, 45 min von Luz de America entfernt, eröffnet. Somit befinden sich nun hier in Santa Maria nur noch drei Schwestern und zwei Freiwillige.
Wieder in Santa Maria hieß es Examen korrigieren, Noten machen und abgeben. Dann mussten wir erst von den 7.Klässlern, die jetzt auf das Colegio gehen, von unseren anderen Schülern und zum Schluss von den Lehrern verabschieden.
Sonntags fand das Abschiedsfest der 5.Klasse zu Ehren des Lehrerkollegiums statt. Nach Essen, Spiel und Tanz wurden die endgültigen Abschiedsworte gesprochen (jeder musste ran – auch wir), da die Lehrer (außer einem) und der Sekretär, aus verschiedenen Gründen, ab dem nächsten Schuljahr nicht mehr an der Schule arbeiten werden. Das ist ziemlich Schade, weil wir sie gerade in der letzten Zeit besser kennengelernt haben und viel Spaß mit ihnen hatten.
Die Woche darauf war dagegen alles andere als Vergnügen. Wir schlugen uns Tag und Nacht mit der Aufarbeitung der Buchhaltung der Schule (2007/08 + 2008/09), die kein Ende nehmen wollte, herum. Statt dass der Berg an Rechnungen, Zetteln, Büchern, Listen, Heften und zu erfassenden Daten verringerte, wuchs er mit jedem Tag an.
Eines Nachts, als wir so in die Arbeit vertief vor den Schul-PCs saßen, hörten wir Punkt 0.00 Uhr draußen Hufgetrappel, welches uns an die Legende des Geisterreiters erinnerte, der hier in Santa Maria um die Geisterstunde sein Unwesen treiben soll. Solche und ähnliche Geschichten werden uns oft erzählt, doch während sie woanders nur Legenden sind, sollen sie hier Realität sein…
Bevor wir am 15.2 nach Quito fuhren, um von dort aus unsere Rundreise zu starten, wurde das Internat auf Hochglanz gebracht und wir konnten mit den uns vermachten Möbeln von Washington (dem Schulsekretär) unser Zimmer um einiges wohnlicher machen. Da am letzten Abend vor unserer Reise mal wieder der Strom ausgefallen war, mussten wir unsere Koffer bei Kerzenlicht packen.
Trotz durch massive Erdrutsche blockierte Straßen erreichten wir am 16.2 nach einer 11-stündigen Fahrt bzw. „Im-Stau-Stehen“ Quito. Obwohl die Rundreise aufgrund den ungewöhnlich starken Regenfällen und den damit verbundenen chaotischen Straßenverhältnissen, sowie gesundheitlicher Gründe umorganisiert werden musste, verbrachten wir mit Katrins Familie wunderschöne drei Wochen unterwegs durch das unglaublich vielseitige Ecuador. In dieser Zeit konnten wir wieder Kraft für die zweite Hälfte unseres Freiwilligendienstes in Santa María del Toachi tanken um uns nun mit neuer Energie unserm Schulhof-Projekt und allem, was uns noch erwartet zu widmen.
Wir geben unser Bestes euch über das Projekt auf dem Laufenden zu halten. Die ersten Materialien sind schon eingetroffen, die anderen müssen noch gekauft werden. Aber dem Bau, der am 17.3., nur mit einem Tag Verspätung beginnen wird, dürfte sonst nichts mehr im Wege stehen.
Ganz liebe Grüße
Larissa und Katrin