Hallo alle zusammen!
Viel zu schnell ist unser Freiwilliges Soziales Jahr in Ecuador vorbeigegangen und wir sind jetzt schon seit über einem Monat wieder gesund aus Santa Maria nach Leonberg zurückgekehrt. Deshalb wird es Zeit, euch von unsern letzten, sehr ereignisreichen Wochen zu berichten, wozu wir in Santa Maria selbst keine Zeit mehr hatten.
Auch wenn wir im letzten Halbjahr wegen des Schulhofprojektes offiziell keine Englischlehrerinnen gewesen sind, wurden wir am 27. Mai zu einer so genannten „Convivencia“ eingeladen, wo sich das Lehrerkollegium zu einem gemeinsamen Essen und vergnügtem Beisammensein traf und wir neue spanische Witze „Cachos“ lernten.
Zusammen mit den Lehrern (die nicht viel älter sind als wir und teilweise noch studieren) besuchten wir auch den Pregón für das „Novato“-Fest am darauf folgenden Samstag. Hier wurden wir Zeugen eines gespielten Attentats auf Correa (Präsident von Ecuador) und der üblichen „Taufe“ der neuen Schüler des Colegios. Die älteren Schüler taufen dabei jeden Neuling auf einen lustigen manchmal aber auch fast geschmacklosen und fiesen Spitznamen (von „tote Fliege“ bis „fettes Nilpferd“ war alles dabei).
Am nächsten Tag wurden wir von Don Marcelo, dem neu gewählten „Presidente“ (sozusagen der Bürgermeister) Santa Marias zur Ernte der „Achotillos“, einer Litschie-artigen Frucht und zum Mittagessen vom Grill (sowas gibt‘s auch in Ecuador) eingeladen.
Abends kamen schon ein paar Mütter von Internatsschülern, die am Sonntag mit auf den Jahresausflug des Internats wollten. Mit ihnen gingen wir auf das „Novato“-Fest, wo mal wieder eine Misswahl stattfand. Aus sieben Kandidatinnen, der ersten Colegio-Klasse sollte die „Señorita Novato“ ausgewählt werden, wofür Katrin mal wieder spontan in die Jury berufen wurde, weil ein vorgesehenes Jury-Mitglied nicht aufgetaucht war. Ein kleiner, amüsanter Höhepunkt war auch die Verlosung eines ganzen gebratenen Hühnchens mit einer Riesenportion Pommes, Salat und Cola.
Viel geschlafen haben wir in dieser Nacht nicht, denn um halb sechs sollte der Ausflug zum recht weit entfernten Freibad losgehen.
Schon lange hatten die Internatsschüler Geld mit Tombolas etc. für diesen Tag gesammelt und fuhren so voller Vorfreude in einer Ranchera nach La Maná, wo es ein schönes Freibad mit Rutschen und einem kleinen Fluss gibt, den man mit Bötchen befahren kann.
Das war sowohl für die Kinder als auch die Mütter etwas ganz Besonderes, denn gebadet hatten die meisten bisher nur im Fluss. Alle waren hell auf begeistert und es wurde ein wunderschöner Tag!
Der 1. Juni ist in Ecuador der „Tag des Kindes“, was in der Schule „La Sagrada Familia“ mit kleinen Aufführungen jeder einzelnen Klassenstufe und auch mancher Eltern, Tanz und einem Snack von jeder Stufe gefeiert wurde. Hier traten wir auch zum ersten Mal in unserer Fußballmannschaft der Lehrerinnen, die „Superpoderosas“ genannt, gegen die der Mütter an.
Am 12. Juni wurde ein neuer Weg von Santa María nach Pucayacu mit einer Festveranstaltung eingeweiht. Die Familie Carpio, die bei dem Bau des Weges sehr engagiert gewesen war, lud dabei jeden, der wollte zu sich zum Essen ein, wofür unzählige Hühner und ein Schwein geschlachtet wurden. Abends wurde natürlich getanzt und gefeiert. Wir verbrachten wieder ein schönes und lustiges Wochenende bei den Carpios und fuhren am Sonntag mit ihnen nach Pucayacu zur Wahl der Präsidenten der Gemeinde.
Auch in Santa Maria wurde am 14. gewählt doch das Ergebnis wurde erst etwa eine Woche später bekannt gegeben.
Wegen den Wahlen war am Montag dann auch keine Schule, weil manche Lehrer zum Wählen den langen Weg in ihre Heimat-Provinz machen mussten. Den Tag konnten wir gut zum Weitermalen der Landschaft auf der Schulmauer nutzen.
Als wir am Mittwoch beim Malen mit den Lehrern vom Park aus Live-Musik hörten, wurden wir neugierig und schauten abends bei einem öffentlichen Gottesdienst der Protestanten anlässlich des 50-jährigen Jubiläums in Ecuador vorbei. Es gibt auch eine evangelische Kirchengemeinde in Santa Maria, nur hat dort die katholische und evangelische Kirche keine gute Beziehung zueinander. Ökumenische Gottesdienste wären beispielsweise undenkbar. Doch ist das für die Bewohner kein Hindernis was Freundschaften betrifft.
Wir bekamen dadurch zu den Angehörigen der evangelischen Gemeinschaft einen besseren freundschaftlichen Kontakt, den wir zuvor nicht so hatten. So wurden wir am Donnerstag spontan zum Geburtstag eines Nachbars eingeladen, was dann auch ein richtig netter Abend wurde.
Wie schon lang versprochen, fuhren wir am Montag, den 22. Juni, zusammen mit zwei Polizisten, dem frischgewählten Präsidenten uns seiner Frau auf die Finca seiner Eltern.
Mit der Machete bahnten wir uns einen Weg durch Dschungel und Fluss, bis wir zu dem 200m hohen Wasserfall „La Gringa“ kamen. Die Brüllaffen konnten wir leider nur hören, bekamen dafür aber viele außergewöhnliche Pflanzen zu sehen.
Don Marcelo plant aus dem Gebiet eine Art kleines touristisches Zentrum zu machen, was sich sicher lohnen würde. Auf unserem Rückweg nach Santa Maria begegneten wir auch unserer 1. Schlange in Ecuador, die mindestens 2 Meter lang war. Man muss dazu auch sagen, dass sie nicht mehr sehr lebendig war und ihre Bezwinger gerade dabei waren ihre Trophäe, die Haut der Schlange, zu ergattern.
Am Wochenende vom 26. - 28. Juni wurde in Monte Nuevo zu Ehren ihrer Schutzheiligen „Peter und Paul“ (deren Tag ja eigentlich der 29. ist) ein Fest gefeiert. An dem Tanzwettbewerb sollte auch die sechste und siebte Klasse der „Sagrada Familia“ teilnehmen, weshalb wir am Donnerstag die Kostüme aus Santo Domingo holten.
Zwar wird an der Straße nach Santa Maria zur Zeit unermüdlich gearbeitet und diese komplett erneuert und verbreitert, doch kamen wir erst um 1 Uhr nachts wieder zu Hause an, weil ein Laster im Schlamm steckengeblieben war und die Straße versperrte.
Freitag fuhren wir dann mit der „Camioneta“ hoch nach Monte Nuevo, wo die Sagrada Familia vor anderen Schulen aus dem Umkreis gewann!
Auch am Samstag 27. Juni gings nach Monte Nuevo, weil dort Stierkämpfe auf dem Programm standen. Neben den professionellen Stierkämpfern durften auch Zuschauer, sowohl Männer als auch Kinder und Frauen antreten, die dann jeweils einen Stier in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen (mit spitzen, kurzen oder gar keinen Hörnern) als Gegner bekamen. Auch so mancher Betrunkener wankte auf die Arena, wurde aber aus Sicherheitsgründen wieder zurückgeholt..., was nicht immer der Fall ist.
Abends gingen wir zum ersten Mal in die Dorfdisko, um mit den Lehrern in Larissas Geburtstag reinzufeiern. Die Disko ist zwar nur ein kleines Hüttchen und das Mikrofon der Karaokeanlage war an dem Abend ausgefallen, doch wurde es ein fröhlicher und langer Abend.
Am Geburtstagsmorgen begrüßten uns die Schwestern mit einem festlichen Frühstück zu ecuadorianischen Geburtstagsliedern, Geschenken und Tänzen. Auch für das Mittagessen gaben sie sich viel Mühe. Für den Abend hatte eine Lehrerin eine Feier in ihrer Einzimmerwohnung vorbereitet.
Auch besuchten wir die Mutter einer Schwester im Krankenhaus, die an Denguefieber litt. Wieder zurück in Santa Maria wurde dann abends wieder mit Kuchen und Tanz gefeiert.
Als wir am Dienstag nach dem Malen ins Internat kamen, war dort schon eine Feier für uns vorbereitet. Hier kamen erstmals unsere Kleider zum Einsatz, die wir von einer Schneiderin aus Santa María für nur etwa 11$ maßschneidern lassen hatten. Zwei Schüler sangen uns ein Ständchen, es wurde getanzt, gespielt und die Kinder überreichten uns ihre kleinen, kitschigen Geschenke (Plastikklaviere, die „Für Elise“ fiepen, duftende Plastikrosen, rosaglitzernde Blumenväschen...) die sie von ihren Ersparnissen gekauft hatten. Nach ecuadorianischem Brauch bissen wir in die Torte, wobei wir achtgeben mussten, dass wir nicht mit dem ganzen Gesicht in die Torte gestoßen wurden. Danach wurde sie unter den Kindern, Schwestern, den eingeladenen Lehrern und einem Polizisten aufgeteilt.
Von der Schweinegrippe hörten wir hier erstaunlich viel. Schließlich hatten wir in Ecuador auch einige Todesfälle zu melden. Also schickte die Regierung sogar bis nach Santa Maria del Toachi ihre Leute um eine gewisse Aufklärung zu leisten und Verhaltensregeln aufzustellen. Um vielleicht etwas Neues aufzuschnappen ließen wir uns die Stadtversammlung natürlich nicht entgehen.
Am Donnerstag, den 2.7.09 feierte die Escuela „La Sagrada Familia“ das einjährige Bestehen der Provinz Santo Domingo de los Tsachilas, in der sich Santa Maria del Toachi befindet. Zu Feier des Tages wurden in der Schule Reden, die Hymne und am Schluss von der 1. Klasse ein Tanz der Tsachilas-Indiander in ihrer typischen Kleidung (die Frauen bunt gewebte Wickelröcke und die Männer blau-weiß-gestreifte) aufgeführt.
Eigentlich ist der Provinzfeiertag am Freitag, aber da ist schulfrei und ein großer Umzug in Santo Domingo, den wir uns leider entgehen lassen mussten, da wir mit Schwester Blanca Inés nach Guayaquil fuhren um ihre Familie und ihre Heimatstadt kennenzulernen. Nach einer kleiner Stärkung und Übergabe der wunderschönen Rosen aus Ecuador an die Gastgeber erhielten wir eine kleine Nachtführung entlang der beleuchteten Uferpromenade (den berühmten Malecón). Am nächsten Tag war dann der Stadtrundgang durch Guayaquil an der Reihe. Neben 3 oder 4 Kirchen und dem Park der Iguanas hatten wir sogar noch Zeit ein tolles Museum über die Geschichte von Guayaquil zu besuchen. Das alles zu Fuß und vor dem Mittagessen, schließlich hatten wir für den Nachmittag auch ein straffes Programm. Nach einem erfolglosen und deprimierenden Versuch mal wieder E-mails zu lesen (schließlich hatten wir unsere Geburtstagsmails noch nicht gelesen) führte uns Schwester Blanca Inés zu einem Textilmarkt, der Otavalo stark ähnelte nur überdacht war. So hatten wir die Gelegenheit die letzten Andenken für uns und unsere Lieben zu kaufen. Ein Erfolgserlebnis im Gegensatz zu dem NICHT-Lesen der Mails. Wir durften uns allerdings bei der Entscheidungsfindung, welche Farbe wohl die richtige für des Kleid ist, nicht allzu viel Zeit lassen, da das Piratenboot nicht auf uns wartete. Ja, richtig. Wir fuhren auf dem Guayas mit einem richtig schönen „Fluch der Karibik“- Schiff nur ohne Captain Jack Sparrow in den Sonnenuntergang.
Am Samstag stand dann der angeblich schönste Strand Ecuadors auf dem Programm: Salinas. Unserer Meinung nach gibt es deutlich schönere… aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Wir ließen es uns heute einfach mal gut gehen.
Zurück in Guayaquil gab es als Abendessen wieder die Delikatesse: Krebse (in Bier gekocht) und Bier (Lecker?!).
Schon war es Sonntag und es war Zeit wieder nach Santa Maria zu fahren. Allerdings ließen wir uns vor der Abfahrt einen kleinen Spaziergang am Salzwasser-Malecón nicht nehmen. Gegen Spätnachmittag erreichten wir dann doch ein wenig erschöpft das Internat.
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