Mittwoch, 3. September 2008

Rundbrief 1

Endlich ist es soweit! Mit unserem ersten Rundbrief möchten wir euch einen Eindruck davon geben, was wir in den ersten paar Tagen unseres Aufenthalts in Quito alles erlebt haben.


Am Mittwoch, den 27.08.08 brachen wir, nach einem schweren Abschied am Stuttgarter Hauptbahnhof, unsere Reise mit dem Ziel Ecuador an. Mit dem Zug in Frankfurt angekommen, mussten wir erst einmal unsere Orientierung auf dem riesigen und unübersichtlichen Flughafen wiederfinden. Nach dem Flug nach Amsterdam und dem dortigen mehrstündigen Aufenthalt, stieg ein Teil der ecuadorianischen Olympiamannschaft mit in unser Flugzeug ein. Dann gings endlich über den großen Teich in Richtung Südamerika. Durch zwei Zwischenlandungen verlängerte sichdie Flugzeit auf über 14 Stunden, die anstrengender waren, als wir uns vorgestellt hatten.



Am 28.08.08 betraten wir das erste Mal den Boden Ecuadors: Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für uns. Die Passkontrolle und das Auschecken verliefen problemlos, sodass uns Andrés im Namen von Cometa Travel bald in Empfang nehmen konnte. Wegen eines Busstreiks in ganz Quito war der Verkehr noch chaotischer als üblich. Trotzdem erreichten wir unsere Unterkunft für die nächsten paar Tage um 9.30 Ortszeit (16.30 deutsche Zeit), ohne Zwischenfälle. Wir bezogen unser Zimmer in einer sehr schönen, von Schweizern geleiteten Pension, die wir uns mit einer Kanadierin und einer ecuadorianischen Familie teilen. Gegen Mittag zogen wir los, um die Gegend zu erkunden. In einer riesigen amerikanischen Mall aßen wir zu Mittag und erledigten unsere Lebensmitteleinkäufe für die nächsten Tage. Dabei wurden wir Zeugen eines Bargeldtransportes der etwas anderen Art. Mit durchsichtigen Plastiktüten voll Geld und Maschinengewehren bahnten sich die Sicherheitsbeamten ihren Weg durch die Menschen.




Am Freitagmorgen erwartete uns ein traumhaftes Frühstück mit frisch gepresstem Saft aus unbekannten Früchten, frischem Obst, Ananas- und Mangomarmelade und mini kleine Wachteleiern. Wir nahmen uns die Registrierung unseres Visums für den Tag vor. Das war schwerer als erwartet, da wir zu den falschen Behörden geschickt wurden. Mit Stolz können wir jedoch behaupten es alleine und auf Spanisch gemeistert zu haben. Bis wir unsere Pässe nächsten Donnerstag wiederbekommen, werden wir noch in Quito bleiben, bevor es nach Santa Maria weitergeht.



Am Samstag fuhren wir mit einem überfüllten Trole-Oberleitungsbus in Quitos Altstadt, wobei wir auf unsere Wertsachen besonders acht geben mussten. Wir schlenderten bei Sonnenschein, über den Plaza Grande durch belebte Straßen zum Plaza de San Francisco, an dem wir gleich die Möglichkeit wahrnahmen in einer „Cabina de teléfono“ (Ein Laden, der aus Telefonzellen besteht.) nach Hause zu telefonieren. In der Altstadt wurden wir des Öfteren mit der Armut konfrontiert, die sich uns in Form von Straßenkindern, Bettlern und kranken, alten Menschen zeigte. Einen Vorgeschmack auf Santa Maria erhielten wir, bei der Besichtigung der Iglesia San Francisco, wo gerade ein Gottesdienst statt fand. Einer der Momente in denen wir die Offenheit der Ecuadorianer erlebten war der Friedensgruß. Anschließend setzten wir uns in ein Café auf den Plaza de San Francisco um den Flair der Altstadt auf uns wirken zu lassen. Wir konnten die Leute bei ihrer alltäglichen Arbeit beobachten und uns gleichzeitig in die Geschichte der umstehenden Gebäude einlesen. Zufällig entdeckten wir, dass sich hinter dem Souvenirladen nebenan eine Art Kunsthandwerkmuseum verbarg. In verschieden farbigen Gewölbe-gängen, die unterhalb der Kirche verliefen, waren zahlreiche Figuren, verzierte Spiegel, handgefertigte Teppiche, afrikanische Masken, Schmuck, Musikinstrumente und Töpfereien ausgestellt. Auf dem Weg zur Basilica del Voto Nacional, besichtigten wir noch zahlreiche prunkvolle, mit Gold verzierte Kirchen. Der Fußweg bergauf wurde zusätzlich zur dünnen Luft durch schwarze Abgaswolken und Smog erschwert. Endlich bei der Basilica angekommen ging es über steile Steintreppen, wacklige Holzstege und einer in luftiger Höhe freistehenden Eisenleiter zum Aussichtspunkt in 70m Höhe.


Mit Aussicht auf Quitos endlos erscheinen-des Häusermeer, aßen wir eine Miniaturpizza in einem Restaurant in einem der Kirchtürme. Am Ausgang passte uns der Eintrittskartenkontrolleur mit wunderschönen roten Rosen ab. Damit fielen wir auf dem Heimweg zur Pension auch nicht mehr auf, als wir es ohnehin schon taten. Wir ließen den Tag mit Musik, E-mail schreiben und „Friends“ ausklingen.



Am Sonntag machte sich der Jetlag besonders stark bemerkbar, deshalb nutzen wir die Ruhe in der Pension um Spanisch zu lernen, Tagebuch und E-mails zu schreiben und uns gegen Mittag ein richtiges schmackhaftes Mittagessen zu zaubern.



Am Montagmorgen verabschiedeten wir die Kanadierin, die in den Oriente zurückging, um dort Erwachsenen, die keine Schulbildung empfangen hatten, Englisch beizubringen. Danach gings mit der Hoffnung unseren Kleiderschrank auffüllen zu können wieder in die Altstadt. In der wimmelte es nur so von Kindern und Jugendlichen in Schuluniform, da heute die Schule in Ecuador wieder begann. Nach endlosem Suchen fanden wir aber keine günstige Möglichkeit Kleidung zu erwerben. Nachdem wir auch vor verschlossenen Türen des Stadtmuseums standen beschlossen wir ins „Museo de San Francisco“ zu gehen. Neben Skulpturen, Ölgemälden und anderen Ausstellungs-stücken von Franz von Assisi, Jesus, Maria, Josef und anderen Heiligen konnte man die Restaurationsarbeiten an dem alten Kloster und von Kunstwerken beobachten. Der idyllische Klosterhof mit seinen maurischen Torbögen, kleinen Papageien, die um die großen Palmen flatterten und den Anden im Hintergrund waren ein wunderschöner Anblick. Auf dem Weg zu weiteren Einkaufsmöglichkeiten, außerhalb der Altstadt, legten wir einen Stopp beim Pizzahut ein. Das Einkaufcenter stand allerdings im krassen Gegensatz zu der Altstadt. Hier war nicht die Rede von günstigen Preisen. Im Gegenteil, alles war, auch für deutsche Verhältnisse, überteuert. Uns kam die Mall mehr wie ein Statussymbol, ein Ort der Abgrenzung von der Armut und Hervorhebung des eigenen Reichtums vor, an dem wir uns nicht lange aufhielten. Aufgrund des strömenden Regens nahmen wir das nächste Taxi zur Pension, in der wir uns Abendessen kochten und unsere neuen Mitbewohner, ein Amerikanisches Pärchen, begrüßten.



Das wars fürs erste. Wir freuen uns sehr über Rückmeldungen und Fragen, dann können wir euch auch detaillierter berichten. Bis Freitag haben wir noch die Möglichkeit regelmäßig unsere Mails abzurufen. Wenn wir in Santa Maria sind, wird der Internetzugang wahrscheinlich seltener möglich sein. Das heißt aber nicht, dass ihr uns nicht schreiben könnt, ihr müsst euch nur mit den Antworten etwas gedulden.




Wir hoffen mal euch geht es allen gut!

Ganz liebe Grüße aus der Stadt, in der man alle Jahreszeiten an einem Tag erleben kann.

Eure Larissa und Katrin


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