Von traditionellen Tänzen, bis zu modernen Tanznummern (nicht in Paaren), zum Tanzwettbewerb, über eine gute gesangliche Einlage des Lehrers der 7.Klasse, Tanz und Essen für alle und „Piñatas“. Das sind mit Süßigkeiten gefüllte Plastik- oder Tonbehälter, die durch zerschlagen mit einem Knüppel kaputtgehen und die Bonbons überall verstreuen. Natürlich muss diese Aufgabe mit verbundenen Augen erledigt werden. Das war dann auch der Grund, warum wir von den „Piñatas“, die wir öffneten keine Süßigkeiten bekamen. Die Kinder waren mit ihren Hechtsprüngen einfach schneller.
Natürlich stand als letzer Punkt auch das nächste Spiel der „Superpoderosas“ auf dem Programm. (Das Ergebnis verschweigen wir an dieser Stelle. Die Mütter spielen recht aggressiv, da kann man aber auch wirklich etwas Angst bekommen).
Den von den Schwestern versprochenen Ausflug zu den Tsachilas machten wir am Sonntag, den 12.7.09. Nachdem wir nach einigem Suchen endlich das Dorf gefunden hatten, begann auch schon die Führung.
Die Tsachilas Indiander leben eigentlich im und vom Regenwald. Da dieser aber immer kleiner wird und sie von der Bevölkerung nicht so viel Unterstützung bekommen, haben sich sehr zurück gezogen, weshalb man sie nur in einem „Showdorf“ besuchen kann. Dort wurden uns ihre Heilmetoden, ihre Lebensweise, ihr Handwerk, ihre Musik und auch ihre ganz andere Sprache gezeigt.
Ein besonderes Merkmal der Tsachilas-Indianer sind die roten Haare der Männer, die mit dem Naturfarbstoff „Achote“ (wird auch zu Kochen verwendet) einmal pro Woche rot gemacht werden und dadurch so fest werden, wie eine Holzplatte. (Die Tracht haben wir ja schon beschrieben) Sie haben sogar eine Art Sauna entwickelt, die gegen Gliederschmerzen hilft. Sie machen sich alles zu Nutze, was ihnen der Regenwald gibt, um daraus Medizin zu machen und davon zu leben.
Und schon sind wir am 14.7.09 angekommen. Der Tag unseres Einweihungs- und Abschiedsfestes. Heute waren wir mal nicht die Gäste sondern die Gastgeber. Was gar nicht so einfach war. Die letzten Handgriffe zur Fertigstellung der Mauer wurden ja schließlich noch am Dienstag (und Mittwoch) selber gemacht.
In den letzten Wochen wurde die Mauer noch von den 1. – 3. Klässlern bemalt, die sich richtig Mühe gaben. Das Meer von Blumen (1.Klasse), die Schmetterlinge und Insekten (2.Klasse) und die kleinen Tiere (3. Klasse) vervollständigten unsere Tierwelt. Während wir uns mit Hilfe der Lehrer an die Landschaft machten, beendete Don Jorge das kleine Dächle auf der anderen Seite des Busparkplatzes.
Die letzte Zeit in Ecuador verbrachten wir eigentlich fast nur noch in der Schule. Von morgens bis abends wurde das Meer, der Himmel, der Urwald, die Berge usw. gemalt. Wir bekamen nachmittags natürlich Hilfe von fleißigen Kindern, die am Malen so viel Freude und Können gezeigt hatten, dass sie unsere Artenvielfalt noch vergrößern wollten.
Die drei Schwestern konnten es sich auch nicht nehmen lassen uns zu helfen und sich zu verewigen. (Schwester Bernardita malte Vogelsträuße und einen Pelikan; Schwester Maria Magdalena malte eine Möwe und Pfauen, Schwester Blanca Ines malte 2 Vögel und zeichnete einen Spruch).
Die Mauer wurde langsam aber sicher zu einem Kunstobjekt, was bedeutet, dass wir öfters Besuch von Schülern des Colegios, Eltern oder anderen Bewohnern Santa Marias hatten, die unser Werk bewunderten. Manchmal brachten sie uns Früchte, Kekse, Eis, Schokolade, etwas zu trinken etc., was uns immer sehr freute. Damit unsere Mauer auch nachts wunderschön beleuchtet werden kann, ließen wir 6 Lampen einbauen, von denen 3 das erste Mal am 8.7.09 auf einer Seite erstrahlten. Das half natürlich auch bei unserer Nachtarbeit. Wobei wir, bevor das Licht fertig war auch mit Lichterketten arbeiteten mussten, da wir ja rechtzeitig fertig werden wollten.
Um uns die Arbeit noch etwas zu versüßen, durften wir zum Arbeiten, auch während der Schulzeit, Musik hören. Da machte es schon mehr Spaß die ganzen Flecken, von der herunter getropften Farbe zu entfernen. Am 10.07.08 war‘s dann endlich soweit, dass jedes Kind seinen Handabdruck auf die Wände machen konnte, was das ganze Projekt abrundete. Anschließend zeichneten wir die Sprüche und gaben den Sockel in Auftrag. Sagen wir mal so… nach viel Ärger, Unmut und Verzweiflung konnten wir den irgendwie etwas missratenen Sockel doch noch mit Hilfe der Señoritas aus dem Internat und anderen helfenden Händen gerade noch retten. Der Stress am Tag vor der Einweihung hätte allerdings nicht sein müssen. Aber wir sind ja in Ecuador… alles kann nie glatt und perfekt laufen.
Bis auf ein paar Kleinigkeiten, die wir noch am Mittwoch richteten, war die Mauer fertig und die Einweihung konnte stattfinden. Mit einer kleinen Verspätung begannen wir mit dem offiziellen Einweihungsakt um 16.30 am Dienstag den 14.7.09. Zuerst stellten wir unser Projekt und dazu auch die wundervoll großzügigen Spendern aus Deutschland vor, ohne die das alles nicht möglich gewesen wäre, anschließend durften alle Arbeiter, Lehrer, alle die irgendwie mitgearbeitet hatten ihren Handabdruck hinterlassen und dann wurde das Band mit der Schere von Larissa durchschnitten, so wie es sich für eine richtige Einweihung gehört. Dem Formellen Teil folgte eine Menge Programm.
Spiele für die Kinder mit richtig tollen Prämien, einen Gesangwettbewerb für groß und klein und natürlich wie immer Tanz. Ein ganz toller Programmpunkt war der Tanz von den Mädels aus dem Internat, den Katrin mit ihnen einstudiert hatte. Mal etwas ganz anderes zu dem, wie man es hier gewohnt ist. Den Mädels machte es Spaß und es sah auch sehr gut aus. Bonbons, Popcorn, Chips, Cola und Sekt usw. wurde von uns gestellt.
Je später der Abend wurde, umso besser wurde das Fest. Die Beleuchtung der Mauer hatte abends nicht nur einen stilvollen Effekt, sondern ließ das Motiv in voller Farbenpracht bei Nacht erstrahlen. Allerdings mussten wir das Festle gegen 22.30 beenden, da wir „natürlich“ das Glück hatten, mitten in der Prüfungszeit Santa Maria verlassen zu müssen. Das bedeutete für die Kinder viele Gefühlsregungen und leider bei den meisten ein nicht so gutes Ergebnis in den Prüfungen. Mit dem Fest verabschiedeten wir uns noch einmal offiziell bei Santa Maria und seinen uns ans Herz gewachsenen Bewohnern.
Es wurde uns an diesem Abend das erste Mal bewusst, dass jetzt wirklich „Der Abschied“ gekommen war. Er war schneller gekommen als erwartet und erwünscht.
An unserem letzten Tag besuchten wir noch eine befreundete Familie und am Abend wurde im Internat ein Abschiedsfest für uns veranstaltet. Wie hier üblich, wurde uns was vorgetanzt (in Inkakostümen), vorgesungen, von jedem Kind etwas gesagt und getanzt. Allerdings war es dieses Mal anders. Es war das letzte Mal. Auch wir hielten eine Rede, wobei wir über den Inhalt keine Auskunft mehr geben können. Zum Abschied erhielten die Kinder jeweils ein Bild von uns mit ihnen und ein Halstuch bzw. für die Mädels einen Schal, damit der Abschied nicht ganz so sehr weh tut und sie eine Erinnerung an uns haben. Sich zu verabschieden war sehr schwer und von vielen Tränen begleitet, da wir in diesem Jahr einfach zusammengewachsen sind und wir die Kinder und die Schwestern nie vergessen werden.
Um das Jahr nochmal Revue passieren zu lassen ließen wir die Bilder von einem Jahr auf Katrins Laptop durchlaufen, sodass die Kinder endlich auch die ganzen Bilder von sich sehen konnten.
In der Nacht auf den Donnerstag wurde nicht geschlafen sondern gepackt und aussortiert. Was nicht mit musste blieb da. Am Donnerstagmorgen musste dann alles ganz schnell gehen. Wir richteten unser Zeug zusammen, hinterließen unsere Handabdrücke auf der Wand, verabschiedeten uns vom Padre Rafael und natürlich ganz wichtig von den Kindern. Die mussten allerdings aus der Kirche geholt werden, nachdem wir dort auch noch was sagen mussten (Das letzte Mal spontan improvisieren). Es ging alles so schnell.
Die Kinder wollten allerdings nicht wahr haben, dass wir gehen mussten und ließen sich durch nichts dazu bewegen wieder in die Kirche zu gehen (das hatte bestimmt auch mehrere Gründe ;-)).
Nach einem unschönen Abschied ging es hinten auf der Camioneta nach Santo Domingo wo wir uns (ein letztes Mal) den ecuadorianischen Fahrtwind durch die Haare blasen ließen und versuchten alles in uns aufzunehmen, was noch ging, jedes Bild und jeden Moment festzuhalten und einfach die wunderschöne Landschaft noch ein Mal zu genießen.
Wir beide trugen unser erstandenes Ecuadortrikot, womit wir schweren Herzens, nach dem Abschied in Sto. Do. von der Familie von Schwester Marina, ihr und Schwester Lucia die Fahrt nach Quito antraten.
Am Freitag wurden wir vom Arzt durchgecheckt und schon am Sonntag kamen uns die Schwestern nach Quito nachgereist. Schließlich wollten sie uns vom Flughafen verabschieden. Die letzten Augenblicke wurden noch voll ausgenutzt, indem wir zusammen die Kirche der Dominikaner und den „Panecillo“ (eine große Jungfrauenstatue mit Flügeln auf einer Anhöhe über Quito) besuchten.
In der Nacht von Sonntag auf Montag wurden gepackt und früh morgens (wir haben gar nicht erst geschlafen) gings zum Flughafen.
Jetzt wurde es ernst. Der Abschied war endgültig gekommen und ließ sich nicht mehr aufschieben. Ein Abschied für sehr lange Zeit, aber nicht für immer. Schließlich wollen und werden wir zurück kommen. Und wie wir ja jetzt wissen, geht ein Jahr sehr schnell vorbei. Es ist einfach nur eine Frage der Zeit bis wir Santa Maria, die Schwestern und unsere Kinder wiedersehen.
Am 21.7.09 landeten wir mit unseren Ecuadortrikots in Deutschland und wurden von unseren Liebsten in die Arme geschlossen.
Und so endete unser wunderschönes, einmaliges und unvergessliches Freiwilliges Soziales Jahr in Ecuador.
Wir wollen uns nochmal ganz herzlich bei euch allen bedanken,
dass ihr immer so geduldig auf einen neuen Rundbrief und E-mails gewartet habt, dass ihr uns trotz der Entfernung so unterstützt habt, uns soviel ermöglicht habt und uns überhaupt die Möglichkeit gegeben habt dieses FSJ zu machen.
Ein ganz großes DANKE an unser Gemeinde St. Johannes der Täufer in Leonberg, unsere Familien und Freunde.
Dieses Mal liebe Grüße aus Leonberg
Von euren 2 Ecuadorianerinnen
Larissa und Katrin
2 Kommentare:
so jetzt haben wir auch einen Kommentar!
blub!
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